... ich und der erste Schnee meines Lebens.

Er begann am 23. Januar 2007. Pünktlich um 17.30 Uhr kam Mama vom Büro nach Hause und ging auch gleich mit uns Gassi, wie sie das immer macht. Vom Himmel fielen so kleine weiße Flocken, was ich schon äußerst seltsam fand. Regen war das nicht, denn es war nicht richtig nass. Mama hat es wohl gar nicht bemerkt, zumindest hat sie sich nicht anders benommen als sonst. Ich beschloss auf jeden Fall das ganze ein bisschen im Auge zu behalten.
 
Gegen 22.30 Uhr drehen wir dann unsere letzte Runde - bevor wir ins Bett gehen. Und ich sage euch, das komische weiße Zeug lag schon überall rum. Auf der Straße, auf den Autos, auf der Wiese ... einfach überall. Ich schätze mal so ca. 4-5 cm hoch. Mama rannte einfach los, mitten durch die weiße Masse, als ob sie gar nicht da wäre. Also ich kann an dieser Stelle nur noch mal betonen: "Passt ja gut auf eure Rudelführer auf!", den aus meiner Sicht benehmen sie sich manchmal ziemlich unvorsichtig, wie kleine Kinder!
 
Nun gut, ich blieb aus Sicherheitsgründen zunächst mal auf unserer Fußmatte sitzen - die natürlich noch nicht von der weißen Masse befallen war - und schaute mir das in Ruhe an.

Mama war mit Tommy schon längst die Treppen runter gerannt und ich konnte sie nicht mehr sehen. Als sie merkte, dass ich nicht komme, hat sie dann umgedreht. Sie meinte dann nur "komm schon du kleiner Schnauzer, das ist nur Schnee und der tut dir nichts".

Na ja, so wirklich überzeugt war ich davon allerdings nicht, aber was tut man nicht alles. Also habe ich mich mutig in die weiße Masse gestürzt und siehe da, das Zeug war aber so was von kalt!
Von wegen "das tut dir nichts", bla, bla, bla, .....!

Tommy fand das offensichtlich lustig und ist auf einmal in dem weißen Zeug rumgesprungen als ob sie gerade 1 Jahr alt wäre. Offensichtlich hatte sie richtig Spaß?! Gut, dann springe ich halt auch mal rum wie ein "junger Hund", hi, hi.
 
Bourbon vom Schatzkästle
 
Am 24.01.2007 um 6.30 Uhr war es dann soweit! Mama öffnete die Türe und da war ES. Die weiße Masse hatte sich über Nacht vermehrt, und wie sage ich euch, das waren locker 40-50 cm, die sich über alles verteilt hatten. Alles war weiß! Selbst unser schönes Auto war verschwunden. Und da fielen mir die Worte von Mama wieder ein: "das tut dir nichts". Also davon war ich nun beim besten Willen so gar nicht mehr überzeugt! Ich ging trotzdem raus, weil Mama es ja so wollte und bin natürlich komplett in dem Zeug versunken. Die edle Dame Tommy wurde natürlich - wie immer - getragen, super! Und ich soll wie wieder selber laufen. Mama begründet das damit, dass Tommy blind ist, schlecht hört, Diabetes hat und immerhin trotz der ganzen "Defizite" schon fast 12 Jahre alt ist. Na ja, so kann man es auch machen. Ich habe das auf jeden Fall abgespeichert und mit dem Erreichen meines 12-ten Lebensjahres kann sie mich auch überall hin tragen. Aber zurück zum Thema.
 
Ich schlotterte, bibberte und zitterte und fand die ganze Sache nun so gar nicht mehr lustig. Tommy sah das wohl genauso, denn sie legte sich sofort nachdem Mama sie abgesetzt hatte in diese weiße Masse und rührte sich keinen Millimeter mehr. Ich beschloss einfach stehen zu bleiben und weiter zu zittern. Das war so kalt, dass ich mich nicht mal getraut habe Pippi zu machen. Mama brachte uns wieder nach Hause und meinte: "Mein Gott, was seid ihr denn für Weicheier?!". Bitte? Weichei oder was?! Wer war denn vermummt bis zum geht nicht mehr? Wer sah denn aus als ob er an einer Polar-Expedition teilnehmen möchte? Ich war es nicht und Tommy sicher auch nicht! Auf jeden Fall war klar, das Zeug war Schnee, war nicht wirklich gefährlich, aber eben megakalt!!!
 
Bourbon vom Schatzkästle
Bourbon vom Schatzkästle
  Am Mittag kam Mama wieder nach Hause und hatte eine Tüte dabei. Aus der Tüte holt sie eine beige Jacke oder besser mehr so eine Art Weste, denn es hatte keine Ärmel.

Und wem bitte soll das Ding passen? Wir haben doch hier keine Zwerge?! Aber Mama meinte: "Oh doch und zwar einen ZWERGschnauzer und einen von der ganz verfrorenen Sorte!"

Ich konnte gar nicht so schnell schauen und hatte ruckzuck diese Weste an. Ich war mir noch nicht sicher was ich davon halten soll, auf jeden Fall hatte Mama ihren Spaß, denn sie lag sozusagen auf dem Boden und kriegte sich vor Lachen gar nicht mehr ein. Dann murmelte sie noch etwas von Griechischer Landschildkröte und Ninja Turtle und lachte weiter.
Nachdem sie ihren "Anfall" überwunden hatte konnten wir endlich rausgehen.
Das war ja klasse! Die Weste war so warm und ich musste gar nicht mehr zittern und bibbern. Richtig kuschelig war das und der Schnee war mir jetzt auch völlig egal, denn ich hatte ja jetzt auch meine Ausrüstung für eine ordentliche Polar-Expedition!
Na bitte, geht doch!
 
Bourbon vom Schatzkästle
Bourbon vom Schatzkästle
 
Bourbon vom Schatzkästle
 
Mama versteht das allerdings nicht wirklich. Sie sagt immer "ihre Tommy" hätte in 12 Jahren kein "Kostüm" benötigt und ich wäre schon ein ganz besonderes Modell. Dabei könnte sie auch ruhig mal berücksichtigen, dass ich ja noch fast ein Baby bin mit meinen 8 Monaten und was noch viel schlimmer ist: Meine Ziehmama aus Herdwangen hatte ja am Samstag, 20.01.2007 nichts besseres zu tun, als mir die Haare so kurz zu schneiden, als ob ich direkt zur Bundeswehr müsste! Ja, so sind sie eben.
Erst scheren sie mir eine Glatze, dann schicken sie mich in riesige kalte Schneeberge und wenn man dann mal ein bisschen friert ist man auch noch ein Weichei! Menschen!
Bourbon vom Schatzkästle



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